Die Kugel: Globoule

Die Kugel galt in Antike und Mittelalter als vollkommenste Gestalt. Doch im Globoule - Spiel nach der Idee des Nikolaus von Kues fehlt ihr etwas. Sie hat eine Delle. Darum fehlt ihr die eigene "Mitte".

Das führt dazu, dass man sie nicht wie irgend eine andere Kugel oder einen Ball geradeaus werfen kann. Sie beschreibt, versucht man es aufs Geratewohl, meist eine sehr chaotische Bahn.

Passt man sich aber ihrem Schwerpunkt an und übt sich wie unter Spieltechnik beschrieben, dann sucht die Kugel in ihrem Lauf sozusagen ihre Vollkommenheit, sie sucht die Mitte.

Das heißt: mit der "unvollkomenen" Kugel kann niemand die Mitte auf direktem Wege anspielen, aber der Spieler/Spielerin kann sich dem Defekt gleichsam anpassen und sie auf einem Umweg hineinspielen in die Mitte.
In diesem Fall wird die Kugel (Globoule) eine spiralförmige Bahn beschreiben.
Laotse sagt einmal: Um zum Ziel zu gelangen, müssen wir einen Umweg machen.

Die Delle, der Defekt, führt also dazu, dass die Kugel ihre Mitte "sucht".

Identifiziert sich der/die Spieler/in nun mit der Kugel als einem Symbol für seine/ihre Person, dann ist in ihr unsere menschliche Sehnsucht abgebildet, uns selbst zu finden, die Mitte unseres Lebens - oder religiös ausgedrückt: Das Leben selbst in seiner Vollkommenheit, Gott.

In der Sprache des Glaubens hat das, was uns Menschen an dieser Vollkommenheit fehlt einen Namen: die Sünde. Dabei geht es nicht um die Übertretungen von Normen oder Geboten, sondern eben darum zu beschreiben, dass uns Menschen aller Erfahrung nach etwas zur Vollkommenheit fehlt, dass wir Menschen nicht Gott sind, dass der Mensch in seiner natürlichen Existenz in einer Entfremdung zu Gott als dem Geber allen Lebens, und damit auch in Entfremdung zu sich selbst lebt.

Im Verlauf des Spieles allerdings wird der/die Spieler/in immer mehr entdecken, dass er/sie sich das, was ihm/ihr fehlt nicht erarbeiten kann, sondern dass es ihm/ihr "zu - fällt", dass es ihm/ihr geschenkt wird.

Das Finden der Mitte ist letztlich ein "Gefunden-werden". Es bleibt unverfügbar.
In der Sprache des Glaubens: es ist Gnade.


Copyright © 2001 Pfr. B. Dietrich, Pfr. B. Böttge, Dr. M. Schwarten, Chr. F. Trebing
Letzte Änderung am 16.05.2001 um 16:35