Das Spielfeld als Kosmossymbol

Das Spielfeld ist durch zwei Grundgedanken gekennzeichnet, die sich aus den Überlegungen des Nikolaus herleiten lassen:

- als Kosmossymbol
- als stufenweises Erkennen von außen nach innen.

Beide Perspektiven sind gleichsam die beiden Seiten einer Medaille. Die Abstufungen des Erkennens entsprechen den Abstufungen des Kosmos vom Sichtbaren zum Unsichtbaren.

Als Kosmos-Symbol zeigt das Spielfeld zunächst die sieben Planetensphären.

Die Sphären ergeben sich aus den fünf damals sichtbaren Planeten (Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn) sowie Sonne und Mond, die aufgrund ihrer vergleichbaren Bewegungen als Planeten verstanden wurden. Hinter der "letzten" Sphäre liegt als achte die Sphäre der Fixsterne. Die neunte und zehnte Sphäre war der göttlichen Welt zugeordnet: die himmlischen Wesen (Engel), die Gott als Zentrum umgeben.
In vielen Mittelalterlichen Bildern, auch in dem berühmten Visionsbild der Engelchöre von Hildegard von Bingen, ist die Welt der Engel - offenbar als nochmalige Abbildung des gesamten Kosmos in neun Chöre / Reihen aufgeteilt. Schon daraus wird sichtbar, dass die Eins oder die Zehn die Mitte, Gott, ist oder darstellen soll.

Die Zählung der 10 Kreise ist deshalb von beiden Seiten möglich, weil sie gleichermaßen den Weg auf das Ziel hin wie auch den Weg vom Ursprung her symbolisieren soll; beide Wege fallen nach Nikolaus von Kues zusammen, sind ein und dasselbe.

So sind auch die 1 und die 10 im Prinzip ein und dasselbe, nämlich die Zahl der Gesamtheit bzw. Einheit. Der Weg zur 10 ergibt sich aus der 1+2+3+4 - wodurch die "Vierheit" eine besondere Bedeutung erhält.

Darum sind die römischen Ziffern I, II, III, IV noch einmal besonders herausgehoben außerhalb des Kreises.
Im theologie(geschichtlichen) Zusammenhang bezeichnet die

I die Einheit, den Ursprung, Gott; die
II das von Gott ausgehende schöpferische Wort, die "Zweiheit", Christus; die
III die Verbindung zwischen beidem und damit die vollendende Kraft der Liebe, Heiliger Geist; die
IV schließlich bezeichnet den Erdkreis (Oikumene) - die vier Elemente, vier Himmelsrichtungen usw.

Copyright © 2001 Pfr. B. Dietrich, Pfr. B. Böttge, Dr. M. Schwarten, Chr. F. Trebing
Letzte Änderung am 16.05.2001 um 16:35